Kiefergelenk-Beschwerden

Der Unterkiefer ist über ein Dreh-Gleit-Gelenk mit dem Oberkiefer verbunden. Mit diesem im Körper einmaligen Gelenk werden Dreh- und Gleitbewegungen ausgeführt.

Zahnfehlstellungen oder Zahnlücken, ebenso wie massives Knirschen oder Pressen, können zu einer Überbelastung eines oder beider Kiefergelenke führen. Eine Überbelastung macht sich oft durch Knackgeräusche bemerkbar und kann zu massiven Schmerzen führen.

Man unterscheidet in der Medizin folgende Kiefergelenk-Beschwerden:

Kieferklemme

Beeinträchtigung der Mundöffnung, meist Folge einer Muskelverspannung.

Kiefersperre

Unvermögen den Mund ganz zu schließen, meist unfallbedingt.

Luxation der Kiefergelenke

Immer in Kombination mit einer Kiefersperre.

Funktionsabhängige Geräusche im Kiefergelenk

Meist bei Mundöffnung.

Funktionsschmerzen

Stechende Schmerzen ausstrahlend im Schläfen-, Wangen- oder Kieferwinkelbereich.

Unterkieferdeviationen

Einseitige Abweichung des Unterkiefers bei der Mundöffnung durch gestörte Funktion eines oder beider Kiefergelenkköpfchen.

Zähneknirschen oder Pressen

Mit den Kaumuskeln können große Kräfte freigesetzt werden, welche die Zähne und auch das Kiefergelenk erheblich belasten können. Körpereigene Schutzmechanismen greifen meist nicht ein um diese Belastungen zu vermeiden. Dabei können mit den Zähnen Knirschgeräusche erzeugt werden. Ihr Lebenspartner kann Sie zuerst auf das Knirschen aufmerksam machen, weil häufig im Schlaf intensiv geknirscht wird. Pressen auf den Zähnen geht lautlos vor sich und es führt zu Verspannungen der Muskulatur.

In beiden Fällen kann eine Knirscherschiene helfen die Gelenke zu entlasten und die Zähne vor extremer Abkauung zu bewahren.

Jede Art von Entspannung tut gut (Autogenes Training, Biofeedback, programmiertes Muskeltraining und Muskelentspannung). Nach nächtlichem Knirschen oder Pressen wacht man häufig mit schmerzhaften Muskelverspannungen auf, die sich auch als Kopfschmerzen am frühen Morgen äußern können. Dabei werden die Kaumuskeln überlastet. Die stärksten Kaumuskeln erstrecken sich seitlich am Unterkiefer und fächerförmig bis in die Schläfen- und Schädelregion. Hier können wir Ihnen mit einer Aufbißschiene oder Entspannungsübungen gut helfen.


Ursachen


Bei ungestörter Funktion haben die Zähne in den 24 Stunden des Tages zusammengenommen nur etwa 30 Minuten direkten Kontakt untereinander. Die Muskulatur hat also lange Erholungszeiten zur Verfügung. Werden diese Ruhepausen durch andauernde Muskelanspannungen erheblich eingeschränkt, können Schmerzen die Folge sein. Solche Auslöser können vielfältig sein: Stress, Störungen in der Verzahnung, Zahnfehlstellungen, zu hohe oder zu tiefe Füllungen, Kronen oder Brücken, Prothesen, Zahnlücken im Seitenzahnbereich, Zahnziehen, langdauernde Zahnbehandlungen, Operationen in Vollnarkose mit Überdehnung der Gelenke, Unfälle und Haltungsschäden vor allem durch arbeitsplatzbezogene Fehlhaltungen mit Belastung der Schulter-Nacken-Region. Selten lässt sich nur ein auslösender Faktor ermitteln.


Wer ist betroffen?

Geringfügige Störungen bei der Funktion des Kauapparates beobachten Zahnmediziner bei rund 80% aller Menschen, Jung und Alt. Die meisten Störungen sind sehr geringgradig und können nur vom Fachmann wahrgenommen werden; sie haben keinen Krankheitswert. Nur rund 3-5% der Menschen haben Beschwerden, die so heftig sind, daß sie einen Arzt oder Zahnarzt besuchen.